Vallée Blanche in Chamonix: Hochalpine Skiroute auf dem Mer de Glace

VBstart

Start der Vallée Blanche Route

Die berühmte ca. 20 km lange Skiroute Vallée Blanche oberhalb von Chamonix bietet ein einmaliges Erlebnis der vergletscherten Hochgebirgswelt der Savoyer Alpen. Die Route startet auf der 3840 Meter hohen Station Aiguille du Midi und führt in einigen Varianten durch die hochalpine Gebirgswelt über das Mer de Glace ins 1000m hohe Tal von Chamonix.

Das Mer de Glace (Eismeer) ist ein 12 km langer Talgletscher mit einer maximalen Dicke von 420 Metern. Das Eismeer ist der größte Gletscher der Westalpen. Im 19 Jahrhundert (Ende der kleinen Eiszeit) reichte der Gletscher noch hinab bis in das Arve Tal von Charmonix und war bereits damals eine einfach zu erreichende Touristenattraktion. Abgesehen von kleinen Vorstößen in kurzen Kältejahren im 20 Jahrhundert (70er und 80er Jahre) wird der Gletscher leider immer kürzer und dünner. – Weitere Infos und schöne historische Bilder: wikipedia.org
  • Normalroute: Die Normalroute ist für Skifahrer mittleren Könnens (und für gute Snowboarder) geeignet, was sie für viele Besucher attraktiv macht. Sie führt aber über hochalpines ungesichertes und unüberwachtes Terrain mit Felsen, Eisabbrüchen und Gletscherspalten.  Klettergurt, Seilschlingen + Karabiner oder eine Klettersteigausrüstung sind ein Muss. Standardtraining und -Ausrüstung zur Rettung aus Gletscherspalten ist sehr zu empfehlen. Skigruppen und Einzelpersonen ohne genaue Ortskenntnisse, ausreichende Hochtourenerfahrung  und Ausrüstung sollten unbedingt einen Bergführer nehmen. Derer gibts zuhauf: einfach in der Touristeninfo nachfragen oder online buchen (ca 300-400 Euro pro Gruppe / 85 Euro Single).
  • Schwere Varianten: Es gibt auch noch ein paar schwerere Varianten der Route für gute oder sehr gute Skifahrer, die selbstverständlich auch nur mit einem Bergführer und Lawinenausrüstung begangen werden sollten (Gros Rognon, Petit Envers oder Grand Envers).
Ohne Bergführer sollte man die Touren nicht machen! Warum?

Eisstürze, Gletscherspalten, Orientierungsverlust bergen unter anderem eine große Gefahr.

Alle Routen verlaufen über sehr schnell fließende Gletscher. Eisstürze sind daher an der Tagesordnung. Ebenfalls bergen Gletscherspalten eine große Gefahr. Orientierungsverlust kann auf einer 20 km langen Tour schnell vorkommen, insbesondere auch bei Wetterumbrüchen.

Auch Einzelperson können sich ab 85 Euro einer geführten Gruppe anschließen. – Link: chamonix-guides.eu

Zum Aiguille du Midi: 3800m ist wirklich hoch. Die Tour sollte idealerweise nach einigen Skitagen im Hochgebirge unternommen werden, an denen man sich an die Höhe anpassen kann. Auf der Station gibt es auch eine wirklich gute Aussichtsplattform, inklusive eines gläsernen Raums, die man vor der Talabfahrt noch mitnehmen  kann.

Auf der  Normalroute:

VBteil1

Normalroute, erster Teil

Als gefährlichster Teil der Route erwies sich für mich überraschenderweise der Einstieg über einen ausgesetzten Grat. Hier sollte man sich unbedingt mit Klettergurt und Karabiner am Seil sichern. Die Normalroute beginnt dann mit einer recht flachen Panoramastrecke an beindruckenden Gipfeln und eisbedeckten Abhängen vorbei, u.a. am Mont Blanc du Tacul (4200m).  Die schweren Varianten kürzen hier übrigens ab und führen direkt zum unteren Teil des Gletschers hinunter.

VBtacul

Normalroute mit Mont-Blanc du Tacul

Dann kommt ein etwas schwierigerer Teil, der über den Rand des Gletschers zum Fuss  eines atemberaubenden Gletscherabbruchs führt, an dem gerne eine Picknick-Pause gemacht wird. Dieser Teil ist wohl auch der Grund, warum Anfängern mit Recht abgeraten wird, diese Tour zu unternehmen. Denn auch scheinbar feste Passagen sind oft einfach Schneebrücken über Gletscherspalten und häufiges Stürzen oder Abkommen von der Route kann sehr gefährlich werden.

VBabbruch

Eisabbruch (Salle à Manger)

Der Rest der Route führt dann gemütlich auf dem Mer de Glace ins Tal, mit weiteren Einblicken in beeindruckende Gletscherspalten entlang des Weges.

VBspalteVBausstieg

Gletscherspalten                                                                                             Gletscher-Grotte

Bei sehr guten Schneeverhältnissen kann man bis nach Chamonix abfahren. In schneeärmeren Perioden empfiehlt es sich an der Gletschergrotte per Treppe und Gondelbahn zum Bahnhof Montenvers (1900m) hochzusteigen und mit der historischen Zahnradbahn ins Tal zu fahren. Eine Besichtigung der Gletschergrotte und der in den Gletscher gehauenen Monumente lohnt sich übrigens durchaus.

VBmerdeglace

Mer de Glace unterhalb der Montenvers-Station

Anfahrt: Mit dem Auto über die A40 nach Chamonix. In der Nähe der Gondelbahn ist ein recht grosser Parkplatz. Am Wochenende im Winter kann es ziemlich voll werden. Dann muss man Nummern ziehen und auch schon mal eine Stunde auf seine Gondelbahn warten. Eine online-Buchung des Tickets ist möglich.  Mo-Do ist wohl die beste Zeit um hochzufahren.

Fazit

Absolut beeindruckendes Hochgebirgserlebnis- als Tagesausflug am Wochenende oder als Abschluss einer Skiwoche in den Savoyer Alpen. Die Route bietet auch Nicht-Tourengängern mittleren Niveaus eine Gelegenheit zu einer Hochgebirgstour.

Trotz allem sollten die Gefahren aber nicht unterschätzt werden und die Tour nur gut ausgerüstet, gut vorbereitet (20 km !) und mit Bergführer durchgeführt werden.

Die Normalroute war ingesamt technisch einfacher als ich erwartet hatte: Bis auf ein kurzes steiles Stück am Gletscherabbruch, das für Anfänger ungeeignet ist, ist sie sehr einfach zu fahren. Am Wochenende kann es bei schönem Wetter auf der Normalroute recht voll werden. Dies verdirbt dann etwas die Illusion des einsamen Hochgebirges und Abenteuers. Also wenn möglich die Tour besser unter der Woche unternehmen.

VBmontenvers
Abschied vom Mer-de-Glace an der  Montenvers-Station

Alpinistin

Bild von Ulla Ich bin für euch überwiegend in den französischen und Schweizer Skigebieten unterwegs.
Werbung:
640x220 Best Price