Unter den Wanderungen in den Bergen von Chamonix ist der Lac Blanc, oder „weißer See“ (2350) zu Recht eines der berühmtesten Ausflugsziele im Hochsommer. Während der See und der letzte Aufstieg Ende Mai/Anfang Juni gewöhnlich noch im Schnee versunken sind, sind die ca. 150 Meter tiefer gelegenen kleineren Brüder, die Chéserys Seen, in der Regel bereits gut erreichbar.

Lacs de Chéserys
Lac supérieur des Chéserys (2211m) mit Mont-Blanc (4810 m, rechts) im Hintergrund
Karte Chamonix
Die Chéserys Seen liegen etwas nördlich von Chamonix

Der Aufstieg zu den Chéserys Seen

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uf einem Plateau in den steil-abfallenden Aiguilles Rouges gelegen, bieten die Lacs de Chéserys einen einzigartigen 180° Postkartenblick auf die Savoyer Hochalpen, mit dem Mont Blanc Massiv, der benachbarten Gruppe von 4000ern und seinen ausgedehnten Gletschern. Die Seen befinden sich im Arve Tal einige Kilometer von dem bekannten Urlaubsort Chamonix entfernt. Da sich die Chéserys Seen auf der talaufwärts linken Seite des Arve Tals  befinden, ist der Blick frei auf die beeinruckende Bergwelt des Mont Blanc Massivs.

Drei Wege führen hinauf:

(1) Der leichteste Weg startet von der Berstation der La Flégère Seilbahn (1877m) in Praz (Chamonix).

Anspruchsvollere Aufstiege starten von zwei Parkplätzen an der Landstrasse hinter Argentière: (2) Ein serpentienenreicher Weg vom Col des Montets (1461) und (3) der spannende von der Autorin bevorzugte Weg über einen gesicherten Steig, der von Tré-Les Champs (1417m) startet.

Die Flégère Seilbahn ist vermutlich auch der Grund, warum es hier im Hochsommer recht voll werden kann. Im Frühsommer sind aber noch nicht so viele Leute unterwegs.

Den Trubel von Chamonix hinter sich lassend,  folgt man der Hauptstrasse (D1506)  zu dem idyllischeren Örtchen Argentiere, hinter der Talstation der Grands-Montets Bahnen. Hinter Argentière, der Serpentinenstrasse Richting Vallorcine folgend, gelangt man bald zu dem Parkplatz von Tré-Les Champs auf der linken Seite. Links am Parkplatz beginnt der gut ausgeschilderte Anstieg Richtung Lac Blanc durch den Naturpark der Aiguilles Rouges.

Schon zu Beginn der Route hat man beeindruckende Blicke auf das Grands-Montets-Gebiet und die Blicke werden immer großartiger und weiter, je höher man ansteigt. Der Anstieg führt zunächst durch den Wald und dann über die Baumgrenze hinweg in felsigere Regionen, vorbei am bekannten Klettergebiet an den Felswänden des Chéserys.

Nicht selten trifft man auf Steinböcke, die sehr gut erkannt haben, dass sie nicht auf der Speisekarte der Wanderer stehen.
Steinböcke bei Chamonix
Aufstieg zum Aiguillette mit Steinböcken
Steinbock
…besonders scheu sind die französischen Steinböcke nicht!

Der erste Höhepunkt

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ach ca. 1 Stunde erreicht man den ersten Höhepunkt, den beeindruckenden Felsturm des Aiguillette d’Argentière (1893m) auch dieser eine beliebte Herausforderung für Sportkletterer. Hier lohnt sich eine kurze Rast, um den Blick auf die  Berg-Giganten und Gletscher  auf der anderen Seite des Tales zu geniessen.

Der Aiguillette d’Argentière ist übrigens schon für sich genommen ein lohnendes Ausflugsziel. Dies gilt besonders Ende April/Anfang Mai, wenn die höheren Regionen noch mit Schnee bedeckt sind und ohne Ausrüstung recht gefährlich sind, insbesondere wenn steile Schneefelder überquert werden müssen, die an tiefen Abgründen enden.  Selbst wenn es noch Rest-Schneefelder unterhalb des Aiguillette gibt, so sind sie doch vergleichsweise flach und ungefährlich.

Aiguillette d’Argentière (1893m) mit Mont-Blanc Massiv
Aiguillette d’Argentière (1893m) mit Mont-Blanc Massiv

Der Steig

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ier startet dann auch der spannende gut-gesicherte Steig, der mit Hilfe von Seilen, Geländern, Stufen und teilweise recht hohen Leitern auch normalen schwindelfreien Wanderen ermöglicht, die Steilwand des Chéserys  zu überwinden.

Während der Steig technich nicht schwierig ist, so ist er doch zuweilen recht exponiert und sollte mit Vorsicht begangen werden. Familien mit Kindern sollten diese daher anseilen oder lieber eine der beiden alternativen Routen wählen. Achtet auch auf Steinschlag, der durch Kletterer oberhalb ausgelöst werden kann.
Steig oberhalb des Aiguillette
Gesicherter Steig oberhalb des Aiguillette

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ach einem Querweg, wie immer mit atemberaubenden Ausblicken, folgt ein weiterer, kleinerer Steig, der dann in einen normalen Serpentinenweg mündet. Dieser trifft schliesslich an einem Stein-Monument auf den Pfad, der von La Flégère hochführt. Von da aus folgt man dem gemeinsamen Weg über das geneigte, sonnige Plateau, bergauf in Richtung Seen.  Im Sommer soll es hier auch ausführliche Schilder geben. Diese waren Anfang Juni jedoch noch nicht vorhanden. Wenn man Glück hat, ist der Weg bis zu den Chéserys-Seen frei. Dieses Jahr (Anfang Juni) verschwindet er noch zuweilen in einem ausgedehten Schneefeld, und man muss den Fußspuren anderer Wanderer folgen und etwas improvisieren.

Anstieg zu den Chéserys Seen
Letzter Anstieg zu den Chéserys Seen, Blick auf den Argentière-Gletscher

Rundumblick auf die Savoyer Hochalpen

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ie unteren Chéserys-Seen läßt man rechts liegen und folgt dem Weg leicht links zum oberen See.  Auch wenn dieser noch zum Teil mit Schnee bedeckt ist, so sind die umgebenden Felsgruppen bereits frei und laden zum ausgedehnten Picknick mit atemberaubenden Rundumblick auf die Savoyer Hochalpen ein.

Lac supérieur des Chéserys (2211m)
Lac supérieur des Chéserys (2211m), mit Grandes Jorasses, Mer de Glace und Mont-Blanc

Weiter zum Lac Blanc

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er will, kann durch schneebedeckte steile Abhänge weiter zum Lac Blanc hochstapfen. Es ist aber zweifelhaft, ob sich das zur Zeit schon lohnt.

Den Abstieg kann man dann entweder auf dem gleichen Weg machen oder den anderen Weg  zum Col des Montets nehmen (um diese Jahreszeit noch nicht ausgeschildert). Die beiden Parkplätze im Tal sind nur ca. 1/2 km voneinander entfernt.

Aiguille verte
Links sieht man den Aiguille Verte (4122 m)

Fazit

Die Seen an den Aiguilles-Rouges sind zu Recht eines der beliebtesten Wanderziele in den Savoyer Alpen und absolut zu empfehlen. Ein Vorteil im  Frühsommer:  Es sind  noch nicht so viele Leute unterwegs, so dass der Wanderer noch ungestört die Bergeinsamkeit geniessen kann.
Bild von Ulla Ich bin für euch überwiegend in den französischen und Schweizer Skigebieten unterwegs.

Alpinistin

Links: Chamonix Cheserys

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